Spezialhall(e) für Düngemittel – Echo Translator – Traductor de ecos

Das Phänomen des Echos hat im Zeitalter des Barock großes Interesse auf sich gezogen. Aus der Nymphe Echo wurde das Echo als Erzeugnis der Luft, als Imagination der Stimme.

“Ich lebe sonder Leib / und höre sonder Ohren / ich rede sonder Mund / bin in der Lufft geboren: ein Spiegel deiner Stimm / der Reime deiner Wort / ich schweige wann du schweigst / redst du / so red’ ich fort“

(aus Georg Philipp Harsdörffer/Daniel Schwenter: Deliciae Physico-Mathematicae oder Mathematische und Philosophische Erquickstunden, Zweyter Teil. Nürnberg 1651)

Die Ausführungen des Nürnberger Dichters Harsdörffer stützen sich weitestgehend auf die Untersuchungen des Jesuiten Athanasius Kircher, der sich in einem Kapitel seiner “Musurgia universalis sive ars magna consoni et dissoni“ ausführlich mit dem Echo beschäftigt:

“Die Philosophi nennens eine zurückschlagende/ prallende/ gegenschallende Stimme; die Hebreer Bat kol ein Tochter der Stimme; es ist aber ein so verborgen und geheimes Ding um den Echo oder Widerhall/ daß auf den heutigen Tag schwerlich jemand zu finden/ der es deutlich und genugsam ausgelegt hätte.“

(aus Athanasius Kircher: Mechanische Gehaim-Verbindung der Kunst und Natur durch Stimme und Hall-Wissenschafft gestifftet. Übersetzt von Agatho Carione. Nördlingen 1684)

Im zweiten Band der Musurgia widmet sich Kircher der Analogie zwischen Schall und Licht. Nachdem er letzteres in der Ars Magna Lucis et Umbrae ausführlich behandelt hatte, war er auf der Suche nach akustischen Brechungen, Reflexionen, Verstärkungen und Vervielfältigungen. In seinen Zeichungen tauchen Reihen von gleichmäßig verteilten Wänden auf, welche die menschliche Stimme in ein Mehrfachecho reflektieren. In einer weiteren Abbildung erklärt er wie das Echo, ein anderes Wort als das von ihm gesprochene zurückgeben könnte. Je weiter die Wände entfernt sind, desto kürzer ist ihr Echo. Er treibt sein Gedankenspiel weiter, indem er ein in einer Sprache gesprochenes Wort durch das Echo in eine andere Sprache umwandeln möchte. Zu diesem Zwecke erstellte Kircher eine Liste von griechischen Phrasen, deren letzte Silben als lateinische Wörter interpretiert werden können.

 

Die Düngemittelhallen am Kohlekraftwerk des Rostocker Hafens entsprechen in ihrem Erscheinungsbild einem real existierenden Versuchsaufbau des Gedankenspiels von Athanasius Kircher. Die Mauervorlagen orientieren sich am Raster der Hallenstruktur. Sie werfen den Klang in verschiedenen Abständen zurück, zerlegen und transformieren ihn. Der Hall der Hallen lädt zum spontanen Interagieren und Experimentieren ein.

 

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